Österreichische Kabarettisten

Zu den bekannten Wiener Kunstarten gehörte das Kabarett lange Zeit nicht, auch wenn es in seiner Geschichte hier und da schon zu Zeiten der Habsburger auftaucht. Doch erst in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts konnte es sich neben den Volks-und Coupletsängern der Hauptstadt Wien ein wenig ausufernder zeigen.

Die frühen Jahre

Bis zur Hitlerzeit waren es vor allem die Juden, die diese Kunstform liebten und nach vorn brachten. Verschiedene Stars aus dieser Zeit sind heute noch innerhalb der Kunstszene bekannt, wie Fritz Grünbaum, der aus Österreich-Ungarn stammte und im KZ Dachau ums Leben kam, oder auch Hermann Leopoldi, der durch die Komposition des „Buchenwaldliedes“ in der Zeit seiner Inhaftierung im KZ bekannt wurde.

Die Zeit nach dem II. Weltkrieg

Bis in den 70er Jahren ein Neuanfang in der Kabarettszene in Österreich erfolgte, waren es vor allem jüdische Heimkehrer wie Karl Farkas und Gerhard Bronner, die die Szene aufrecht erhielten. Ebenfalls berühmt wurde in dieser Zeit Helmut Qualtinger, dessen Einfluss bis heute spürbar ist.

Das „Simpl

Das bekannteste Kabaretthaus Wiens gründete sich 1912 als Bierkabarett Simplicissimus und hat bis heute Bestand. Bunte Programme zeichneten das Kellertheater von Beginn an aus und machten es zu einem der beliebtesten Kunstbühnen der österreichischen Hauptstadt. Während des II.Weltkrieges musste es eine „Arisierung“ sowie schließlich eine Sperrung 1944 hinnehmen, und wurde als Luftschutzkeller benutzt. Allerdings konnte das Haus nach dem Krieg Schritt für Schritt an alte Erfolge anknüpfen und besteht heute traditionell nicht nur aus dem aktuellen Programm, sondern es wird durch einen jeweils über Jahre engagierten Conférencier durch den Abend gleitet, der vor den inzwischen international bekannten roten Vorhang tritt.

Das neue Kabarett in den 70er Jahren

Kabarett in Österreich

Kabarett in Österreich

Kritik an der „Obrigkeit“ war zu jener Zeit noch eher selten anzutreffen, und hatte sich eben erst im Fernsehen etabliert durch Georg Kreisler mit der Sendung „Eine heiße Viertelstunde“. Eine späte „68er“-Bewegung bahnte sich langsam durch Österreich und fand zur Widerentdeckung des „Wiener Liedes“ zurück. Werner Schneyder begann in dieser Zeit mit dem in Deutschland populären Dieter Hildebrandt zu arbeiten, und erreichte damit immer mehr Menschen, die politisches Kabarett für eine unverzichtbare Kultur hielten.

Eine Erneuerung erfuhr das österreichische Kabarettleben nicht nur nach 1945, sondern ein weiteres Mal in den 70er Jahren.

 

Die großen Namen jener Zeit

Auch Hans Peter Heinzl und sein Klavier waren politisch-musikalisch tätig und waren in den letzten Jahren der Siebziger „in“, so wie viele andere, wie Lukas Resetarits oder André Heller. Eine breite Masse erreichten jedoch erst zu Beginn der 80er die neu gegründeten Kabaretts wie Orpheum, Vindobona, Spektakel oder Niedermair. In Innsbruck bildete die Bühne „Treibhaus“ das Zentrum der Kabarettisten.

Die Höhepunkte des Kabaretts in Österreich

Seinen neuen Höhepunkt erreichte das Kabarett in den 80ern in Österreich, wobei auch das Radio über die Szene berichtet und viele entsprechende Lokale eröffnet wurden. Dabei wird von manchen der Größen vor allem das breite Publikum bedient, das weniger an aktuell-kritischen Themen interessiert ist.

Ende der 80er gab es eine Jugendsendung im österreichischen Radio – „ZickZack“. Hier wurde eine satirische Ecke erfolgreich mit dem Namen Salon Helga. Diese läuft als eigene Sendung noch heute auf FM4.

1993 – die Neuzeit beginnt

In diesem Jahr hatte die Kabarettszene in Österreich einen großen Aufschwung erlebt; damals kam der Film „Indien“ in die Österreichischen Kinos, der auf einem Theaterstück von Alfred Dorfer und Josef Hader basierte. Der „Kabarettfilm“ war damit geboren und übertraf in seinem Erfolg alle Erwartungen. Es folgte rund 5 Jahre später „Hinterholz 8“ mit und von Roland Düringer, der erst die Rekorde von „Indien“ einzustellen vermochte.

In der Folge konnten erfolgreiche Kabarettisten die großen Bühnen des Landes füllen und auf Tourneen gehen, die vor ausverkauftem Publikum das aktuelle Programm aufführten.

Rund um die politischen Geschehnisse in Österreich wurde in den Jahren nach der Jahrtausendwende das Kabarett des Landes wieder politischer. Überhaupt veränderte sich die Kabarettszene abermals, wobei der Kabarettfilm in seiner Beliebtheit nachließ und von Fernsehsendungen abgelöst wurde, die eher als Sketche mit kabarettistischen Anspielungen bezeichnet werden können.

Manche Kabarettprogramme werden nach wie vor im Fernsehen ausgestrahlt, insbesondere innerhalb des „Sommerkabaretts“, einer Reihe, in der auch die Hyundai-Kabarett-Tage übertragen wurden.

Der österreichische Kabarettpreis

Kabarett

Kabarett

Seit 1999 wird in Wien der Kabarettpreis vergeben, der bis 2006 unter dem Namen „Karl“ bekannt war. Wolfgang Gratzl, Leiter der Kleinkunstbühne Vindobona, rief diesen ins Leben. Eine Fachjury, die aus Kultur-Journalisten besteht, legt die Preisträger fest. Dabei werden gute Arbeiten ausgezeichnet, die inhaltlich anspruchsfall sind und in einem aktuellen Programm vorgestellt werden.

Verschiedene Sponsoren, darunter die Stadt Wien, sorgen dafür, dass die Preise (Hauptpreis 7.000 Euro und Sonderpreis 3.000 Euro) gezahlt werden können. Außerdem wird eine Statue überreicht, die einen Spiegel darstellt und – ähnlich Till Eulenspiegels – ein Synonym dafür sein soll, dass Kabarettisten der Gesellschaft den Spiegel vorhalten.  2016 wurde die Verleihung erstmals im Fernsehen übertragen.

Preisträger waren unter Anderem:

  • Otto Jaus
  • Werner Schneyder
  • Manfred Deix
  • Klaus Eckel
  • Thomas Maurer und viele mehr.

Die Programm- bzw. Förderpreise gingen im Jahr 2016 an Hosea Ratschiller und RaDeschnig für „Der allerletzte Tag der Menschheit“ und an Lisa Eckhart für „Als ob Sie Besseres zu tun hätten“. RaDeschnig ist ein österreichisches Duo des Musik-Kabaretts, welches aus den Zwillingsschwestern Nicole und Birgit Radeschnig besteht. Die studierten Künstlerinnen wurden bereits 2010 mit dem „Grazer Kleinkunstvogel“ ausgezeichnet.

Das Kabarett, auch „zehnte Muse“ genannt, zählt zur Kleinkunst und wird im deutschsprachigen Raum mit verschiedenen Preisen geehrt, wie unter anderem dem „Salzburger Stier“ oder „St. Ingbert-Pfanne“.

Das österreichische Kabarett unterscheidet sich aufgrund anderer Lebensart vom Kabarett in Deutschland und der Schweiz, und behandelt auf seine Art und Weise die gleichen gesellschaftlichen Details und Probleme.

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